Eine Woche Medewi, einheimisch, überfreundliche Leute und meine längste Welle (bis jetzt)

 

Aufbruch nach Medewi. Doch bevor ich mit einer Kollegin den langen Weg nehme, heisst es Surfen um 8:00 Uhr. Ich kann es nicht genug wiederholen. Es gibt nichts Besseres als am Morgen früh Surfen zu gehen. Nur im Boardershort im Wasser die Morgensonne geniessen.

 

Nach 2h Surfen habe ich noch genügend Zeit um zu packen und in aller Ruhe mein Frühstück zu essen, bevor ich die Reise nach der längste linke Welle auf Indonesien antrete.

 

Pünktlich, nein, besser gesagt überpünktlich, was ich von Bali nicht gewohnt bin, kommt der Fahrer von Brown Sugar Camp am 14:00 Uhr beim Kamafari Surfcamp an. Ja ganz genau die holen uns ab und wir haben das natürlich ungern abgelehnt. Der Abschied fiel nicht allen leicht. Es waren zwei wunderbaren Wochen. Habe tolle sympathische Leute kennengelernt und hatten viel Spass miteinander.

 

Ziemlich schnell nach der Abfahrt bin ich im Auto eingenickt, müde, von der Morgensession und der Hitze die momentan herrscht.

 

Und dann... Ich sehe sie vor mir. Die linke Welle. Schön eine Welle nach der andern. Man sieht die Sets in Perfektion. Ein Traum. Meine Augen strahlen und mein Lachen ziehen über beide Ohren hinweg. Ich warte bis ein Set vorbei ist um ins Wasser zu steigen und dann in Richtung Line-Up zu paddeln. Die letzte Welle kommt auf den Strand zu und fange an zu paddeln, wie ein Verrückter, hinaus, um noch rechtzeitig beim Line-Up zu sein bevor das neue Set beginnt. 300m am Stück ist nicht ganz ohne, aber habe es geschafft. Es vergehen keine drei Minuten als die Wellen vor mir anfangen sich aufzubauen. Ich halte nach dem Peak ausschau und gehe ihr ein wenig entgegen. Wie es aussieht bin ich die einzige Person die diese Welle schnappen möchte. Bringe mich in Position, paddle ein paar Mal kräftig an und was für einen sauberen Takeoff. Doch die Welle ist schneller als ich. Ich sehe wie die Weisswalze von rechts mit einer immensen Geschwindigkeit auf mich zu rollt. Die Welle frisst mich auf. Es wird dunkel um mich herum. Der Druck von der Welle macht mit mir was sie will. Es schüttelt mich umher. Nach links, nach rechts und noch mehr in die tiefe. Bis ich schliesslich den Kopf anstosse… an einer Scheibe… Die Scheibe vom Auto. Ich erwache durch die Schlaglöcher der Strasse und habe mehrmals hintereinander den Kopf an der Scheibe angeschlagen. Der Fahrer lacht nur. Naja was soll man da machen. Ich schaue mich um und versuche mich zu erkundigen wo wir überhaupt sind. Ich sehe nur Autos. Soooo viele Autos und Motorräder in diesen schmalen Strassen. Frage den Fahrer nach der Ortschaft. Er sagte, wir wären jetzt in Canggu. Müssen noch eine von einem anderen Camp holen die auch nach Brown Sugar möchte.

 

Nach sechs Stunden Fahrt im Camp angekommen sind wir überfreundlich von den Mitarbeitern in Empfang genommen worden, haben uns vorgestellt und nahmen unsere Gepäckstücke mit ins Zimmer. Das kam mir schon was schräg vor. Solch einen Service in einem Surfcamp? Naja, warum nicht, sage nicht nein.

 

 

Keine zwei Minuten später treffen wir auch unsere Kollegen vom Kamafari Surfcamp wieder, wurden den anderen Surfern vorgestellt und habe erst meine zweite Mahlzeit vom Tag gegessen. Maaan bin ich am Verhungern. Ein geiles Chicken-Sandwiches. Empfohlen vom Kollegen, der er gerade vor kurzem auch gegessen hatte. Und verdammt ja, es ist der Wahnsinn. Mir läuft nur der Sabber aus dem Maul und geniesse es in vollen Zügen. Nach dem Essen geht es mit den andern an den Strand gemütliches Bieren mit einem kleinen Feuer.

 

Kurz vor Mitternacht wandere ich Richtung Schlafzimmer. Für mich ist es schlafen zu gehen, um fit zu sein für den nächsten Tag. Nach nicht einmal 2 Stunden werde ich aus dem Schlaf gerissen. Magenkrämpfe haben die Herrschaft über meinen Körper errungen und kurz danach machte ich den Sprint meines Lebens. Nach dem einigermassen Erlös des bösen lag ich noch wach im Bett. Immer wieder mit Magenkrämpfen zu Kämpfen. Gute halbe Stunde später sehe ich den Kollegen wie er zu Toilette rennt. Das geht die ganze Nacht so. Immer schön im Halbstundentakt wechseln wir ab. Wenn nicht nur das schon schlimm genug wäre, geht uns auch noch langsam das Toilettenpapier aus. Verdammtes Chickensandwiches!

 

Die nächsten zwei Tage heisst es zuerst mal auskurieren und zuhören wie die Surfes über ihre besten Wellen erzählen.

Der Tag der Wahrheit. Endlich kann ich mir die Welle anschauen. Und siehe da, wie in meinem Traum. Die Guides begleiten uns zum Line-Up und erklären uns wie Strömung verläuft. Die ersten Wellen gehen ziemlich in die Hose und komme frustriert aus dem Wasser. Keine Welle gestanden. Ich höre mir vom einem Guide an was ich falsch gemacht habe und versuche es die nächsten Tage die Fehler zu korrigieren. Von Tag zu Tag werde ich besser und stehe länger auf dem Brett. Ein riesen fest mit den Leuten. Jeder versucht länger auf der Welle zu bleiben wie der vorheriger. Jede Welle wird gefeiert. Auch die Locals Kids feiern mit. Kleine 10-Jährige Stinker die einfach zu gut sind. Wenn man gegen die um eine Welle kämpfen will, muss man sie schon vom Brett runterschupsen damit man gewinnt. Wir lachen und haben einen riesen Spass zusammen.

Und auf einmal. Ich fühle es in mir. Diese Welle wird meine sein. Niemand wird sie mir nehmen. Der Peak kommt genau auf mich zu. Ich drehe mich um. Die Spitze vom Brett zum Strand. Schaue über die rechte Schulter. Zuerst drei vier kleine paddelzüge. Schaue nochmals über die rechte Schulter. Da ist er. Die Spitze der Welle. Rechts von mir ein Local-Kids, links ein Australier der eh schon auf mich wütend ist. Wir paddeln um die Wette. Das wird anstrengend. Das Brett hebt sich auf. Die Welle ist jetzt genau unter uns. Ich muss noch aufstehen bevor der Kleine das macht. Der Local und ich stehend gleichzeitig auf. Nein, verdammt. Ich habe es verloren. Alle Anstrengungen umsonst? Doch siehe da, der kleine hatte meine Gedanken gelesen. «It’s your bro» kommt aus seinem, eigentlich frechen, Maul. Er überlässt mir die Welle. Ich blicke zum Australier. Oh mein Gott, wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt nicht mehr hier. Mit voller Freude und schreiende Jubel sause ich sie hinunter. Was für ein Speed. Jetzt muss ich mich konzentrieren. Die Turns sind an der Reihe. Mein Herz rast. Gefühlter Puls, 250. Rauf, runter, wieder rauf an der Lippe entlang. Scheisse verliere zu schnell an Tempo. Drücke die Nase nach unten kleiner Turn Richtung Weisswasser und wieder zurück zur Mitte der Welle. Irgendwann war es soweit ich mache einen Fehler und verliere an Geschwindigkeit. Versuche alles Mögliche um es nicht zu verlieren. Die Welle geht unter mir durch. Falle in das Wasser und blicke zum Startpunkt zurück. Ist das möglich? Ich traue meine Augen nicht. Zwar sind es keine 300m aaaaber gefühlte 120m war ich jetzt unterwegs. Wie geil ist das denn. Mit einem grossen Lachen paddle ich zum Line-Up zurück und juble mit den Kollegen die das gesehen haben. Das war definitiv die Welle meiner Woche!

Ach ja noch was zu dem Australier. Der hatte mein Brett auf seinem Kopf abbekommen. Kann ja mal passieren bei dieser Sportart und erst recht wenn 30 Leute im Line-Up sind. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Fluchwörter in einem Atemzug anhören müssen. Hut ab von dem Herrn.

Medewi ist ein kleines Fischerdorf mit sehr ruhigen und entspannten Leuten. Freuen sich über ein kurzes Hallo und sind überaus freundlich. Da praktisch keine Touristen sich dort verirren, fühlt es sich sehr einheimisch an. Hier gibt es keine Touristenpreise, sie versuchen niemand über den Tisch zu ziehen und geben sich mühe etwas zu erklären. Auch wenn sie kein Englisch verstehen oder können, haben wir uns mit Händen und Füssen irgendwie trotzdem verstanden und das gefunden was ich/wir wollte/n. Was mir hier aufgefallen ist, ist die Religion. Es hat sehr viele Moscheen und viele Frauen und Kinder mit bedeckten Köpfen, jedoch sieht man noch das komplette Gesicht und auch ein Lachen, wenn man ihnen beim vorbeifahren zu winkt. Die Einheimischen machten gerne mal Fotos mit uns. Da muss man schon mal bei einer kleineren Gruppe bei jedem Kid oder Erwachsenen hinhalten. Man fühlt sich zwischen durch wie ein kleiner Star.

Es war wieder mal eine super Woche. Auch hier wieder neue tolle Leuten kennen gelernt, sei es Kanadier, Deutsche, Schweizer, Franzosen, Österreicher,... ...oder Locals.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Luca (Sonntag, 09 Oktober 2016 14:20)

    Oooooooh Ruben!
    Ich cha mir richtig vorstelle we du dich füählsch! Gnüss jede Moment amico. Freu mi uf dä nöchst Iitrag